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Dienstag, 25. Dezember 2012

Weihnachtspannen



Wenn ich so in die weihnachtliche Bloggerwelt schaue, sehe ich wunderhübsche Dekorationen, stylish fotografiert, tolle Weihnachts-Rezepte, zum Anbeißen in Szene gesetzt, viele gute Wünsche, hinaus in die virtuelle Welt - die ich natürlich auch so weitergeben möchte - und das alles noch am Heiligen Abend gepostet. RESPEKT! Also dazu hätte ich gestern nun wirklich keine Zeit gehabt.

Bei mir hat der Weihnachtsabend die Angewohnheit, sich durch ungeahnte Aktionen im Gedächtnis festzusetzen. Vor zwei Jahren zum Beispiel, als alles fertig war und sich der Mann des Hauses endlich unter die Dusche begeben wollte, hat sich der Siphon am Waschbecken kurzerhand verabschiedet und eine Riesen-S***** verursacht, die wir natürlich noch schnell vor dem Gottesdienst beseitigen mussten. Letztes Jahr wurde der Baum aufgestellt und von zwei Personen unabhängig voneinander begossen - danach bahnte sich ein kleiner Bachlauf auf dem Wohnzimmer-Parkett in Richtung Sofa und hat uns einen denkwürdigen Wasserfleck beschert, der uns immer an 2011 erinnert...

In diesem Jahr hat es schon am vergangenen Freitag begonnen: Hatte mich gerade beim Hund-Ausführen an den Weltuntergang erinnert, als es mir auf schneebedecktem Glatteis die Füße wegzog, Hund das ganz toll fand, auf mich draufsprang und mich mit der Leine fast erdrosselte. Da lag ich nun wie ein Weihnachtsrollbraten , wickelte mich wieder raus und sortierte erstmal meine Knochen. Hoffentlich hat mich keiner gesehen, es war schließlich auf einem öffentlichen Platz in der Ortsmitte! Es ist zum Glück alles heilgeblieben, am nächsten Tag allerdings hab ich erst gemerkt, was mir  eigentlich alles weh tut. Am schlimmsten ist die Schulter - naja, Voltaren-Salbe drauf und weiter geht's.

Am 3. Advent nun das übliche Baum-Aufstellen - ohne doppeltes begießen - dafür aber mit dem üblichen Ärger über diese dämliche Lichterkette, die wahrscheinlich letztes Jahr schon nicht mehr ganz vollständig war, man das aber ja erst dann bemerkt, wenn man sie braucht....

Heiligabend 2012: Dachte gerade darüber nach, dass der Tag relativ unspektakulär über die Bühne zu gehen schien (wenn man mal davon absieht, dass ich eigentlich nicht mehr einkaufen gehen wollte, mich aber dann für ein paar - naja, sagen wir mal "Spontanitäten" entschlossen habe und mich nochmal ins Getümmel stürzte.). Bin zum Blumenladen gefahren, habe zwei bestellte Blumengestecke für die Kirche geholt und die Rechnung in die Hosentasche gesteckt.

Anschließend hab ich beschlossen, schon mal den Nachtisch für den 1. Weihnachtsfeiertag vorzubereiten, zog einen Stapel Töpfe aus dem Schrank. Leider ist mir der Unterste aus der Hand gerutscht und leider parkte  mein großer Zeh genau darunter... Es fühlt sich wie eine Amputation an, wenn die Kante eines WMF- Sandwichbodens von einem Nagelbett abgefangen wird - AAAHHHH! Töchterlein (Mitglied beim Jugendrotkreuz!) stand direkt daneben und meinte nur lakonisch: "Musste kühlen, Muddi" - sprach's und ging fröhlich ihrer Wege! Nachdem ich also ein weiteres Körperteil mit einer Portion Voltaren beglückt hatte, ging's weiter mit den Vorbereitungen, diese sind Gott sei Dank ohne weitere Zwischenfälle verlaufen.

Dann noch 'ne Stunde mit der Hündin durch matschige Äcker und Wiesen -  danach war sie reif für die Dusche und meine Hose reif für die Waschmaschine - Blumenrechnung inklusive....oh Mann! Die könnten wirklich mal ein hochwertigeres Papier verwenden! War nix mehr davon übrig, außer ein paar Krümeln.

Also, Euch allen da draußen Fröhliche Weihnachten
und es darf auch mal was daneben gehen! Sonst hätten wir ja nichts zu lachen.

Eure Uli





Sonntag, 29. April 2012

Frühlings-G'schichtle

 
Der alte Gärtner und die Tulpe

In einem Lagerschuppen nahe einem Garten lebte einmal eine zufriedene und bequeme Tulpenzwiebel. Vielleicht wäre sie dort alt geworden, wenn sie der Gärtner nicht eines Tages ergriffen hätte, um sie einzupflanzen.
„Es ist an der Zeit“, sagte er zu ihr. „Heute ist die Stunde für dich gekommen, das Leben kennen zu lernen.“ „Deine rätselhaften Worte machen mir Angst“, entgegnete die Tulpenzwiebel mit zitternder Stimme. „Das Leben zu lernen scheint mir nicht so verheißungsvoll zu sein, wie du es sagst. Es ist so ungewiss, was aus mir werden wird. Stimmt es denn, dass man in die tiefe dunkle Erde muss und ganz schmutzig wird? In dem Lagerschuppen, in dem ich bisher lebte, war alles sauber. Ich war bei meinen Freunden und fühlte mich geborgen.“ „Du wirst dein Leben in dieser sauberen, wohl behüteten Umgebung nicht finden. Du wirst dich auf die Suche machen müssen, sonst vertrocknest du zu einer alten, dürren Zwiebel. Das Leben würde nie in dir aufbrechen, wenn du so bleiben willst, wie du jetzt bist. Du wirst es nur finden, wenn du bereit bist, zu wachsen.“
„Aber wenn du mich eingräbst, dann sterbe ich“, wehrte sich die Tulpenzwiebel immer noch. „Was heißt schon sterben“, entgegnete der Alte. „Du siehst es nur von einer Seite. Aus dem Dunkel der Erde wächst dein neues Leben. Du stirbst nicht, du wirst verwandelt. Je mehr du deine alte Gestalt aufgibst, desto mehr kann eine neue geboren werden, die dir selbst und den Menschen gefallen wird. Werde die, die du wirklich bist!“ „Das klingt fremd für mich, Gärtner: Werde die, die du wirklich bist? Ich bin doch schon jemand, eine Tulpenzwiebel.“
„In dir steckt noch viel mehr, als du jetzt zu sehen vermagst. Du darfst nicht glauben, dass das, was du noch nicht erkennen kannst, deshalb nicht vorhanden sei. Alles Sichtbare wächst aus dem Verborgenen. Du bist ein Same voll blühender Zukunft, voll unendlicher Lebensmöglichkeiten, die tief verborgen in dir schlafen und nur darauf warten, geweckt zu werden.“ „Aber ist das Licht der Sonne denn nicht genug, um meine Lebenskraft zu wecken? Warum muss ich das Dunkel und die Schwere der Erde ertragen?“
„So einfach, wie du denkst, ist es mit dem Leben nicht“, erklärte der Gärtner. „Manches, was dir heute weh tut und als Unglück erscheint, kann morgen dein Glück bedeuten. Nicht nur das Licht der Sonne fördert unsere Fähigkeiten und unsere Lebensenergie, sondern auch das Dunkel und die Erde helfen uns zum Wachsen und Reifen, wie nur sie es vermögen.“
Nachdem er das gesagt hatte, grub der alte Gärtner ein Loch und pflanzte die Tulpenzwiebel ein. Kurze Zeit sah sie noch einen Lichtpunkt über sich, dann aber umgab sie undurchdringliche Finsternis. Die lange, beschwerliche Zeit des Wachsens begann. „Jetzt ist es bald zu Ende mit mir“, jammerte die kleine Tulpenzwiebel. „Es hätte so schön sein können, aber nun vergeht mein Leben in der Erde!“ Und sie schien sogar Recht zu haben. Denn ihre Gestalt veränderte sich mehr und mehr. Sie war
nicht länger eine glatte, wohlgeformte Zwiebel, sondern begann runzlig und schrumpelig zu werden. Aber sie bemerkte auch, wie sich tief in ihr etwas regte und bewegte, von dem sie nicht sagen konnte, was es war. Dieses Gefühl in ihrem Innern versetzte sie für viele Wochen in unbekannte Unruhe. Nach langen, traurig-düsteren Tagen durchfuhr sie ein heftiger Schmerz, als ob eine Lanze sie aus ihrer Mitte heraus durchbohre. Diese Wunde eröffnete ihr einen neuen Lebensraum. Der Panzer ihres bisherigen Lebens war durchbrochen. An die Stelle abgrundtiefer Finsternis trat wenig später taghelles, wärmendes Licht: Ihr erster Trieb hatte nämlich die Zwiebelschale und den Erdboden durchdrungen. Das flimmernde Sonnenlicht, ein erfrischend prickelnder Luftzug und das vielstimmige Lied der Vögel umwarben sie nun.
„Das also meinte der Gärtner“, dachte die heranwachsende Blume. „Wachstum betrifft das ganze Wesen. Mein äußeres Wachsen ist ein Gleichnis für etwas noch Größeres und Schöneres, das tief innen in meiner Mitte beginnt und dann die Schale durchbricht, damit sich der Kern, mein eigentliches Wesen, entfalten kann.“ Sanft streichelten die Sonnenstrahlen den hellgrünen Trieb, der sich wohlig räkelte und unter der Zärtlichkeit der Sonne wuchs. Es tat ihm gut, dass die Sonne ihn einfühlsam zum Leben lockte, ganz wie es seiner Kraft entsprach.
Mit der Zeit bildete sich am Schaft des Triebes eine Verdickung. Die Blüte reifte und reifte. „Noch lebst du nur für dich selber und verwendest deine Kraft auf die Entfaltung deines Wesens“, erklärte der Gärtner. „Aber bald wirst du ganz offen sein für das Lächeln der Sonne, für die Schmetterlinge, für den Wind und den Regen. Du wirst Farbe und Duft und Freude in die Welt tragen, um diesen Garten für alle lebendiger und bunter zu machen. Dann wirst du blühen, kleine Blume, und es wird keine einzige Blume im großen Garten geben, die so ist wie du.“
„Es bereitet sich schon vor“, flüsterte die Knospe. „Es ist, als ob sich in mir Schale um Schale schöbe. Aber nicht so wie in der Zwiebel. Die Schalen fühlen sich viel zarter und verletzlicher an, wie Schmetterlingsflügel. Wann ist der Tag gekommen, an dem ich meine Knospe öffnen muss?“ „Du musst so weit in den Himmel hineinwachsen, wie du in die Tiefer der Erde verwurzelt bist. Dann ist deine Stunde gekommen. Du wirst es spüren. Bald würde das Knospengehäuse zu klein sein für die Blüte. Ihre Blätter begannen schon, sich auszuspannen und auszudehnen. Die erwachsende Tulpe versuchte, ihre Blütensegel wie Flügel zu weiten. Aber noch waren sie im Dunkel ihrer Knospe gefangen und mussten mit aller Kraft drängen, um die behütende Knospe aufzubrechen. Das war nicht leicht. Jeder Riss in der Schale schmerzte ein wenig.
Bald aber strömte helles Sonnenlicht durch die ersten Risse, ein wenig später begrüßte die junge Tulpe noch etwas zerknittert den sonnigen Tag. Langsam und vorsichtig tastend streckte sie ihre rotgelben, seidenen Blätter dem Licht entgegen. Sie ließ sich von der angenehmen Wärme durchströmen bis in die letzten Fasern.
Ein unbekanntes Glücksgefühl durchzitterte sie, und sie empfand sich zum ersten Mal als ganz frei. Sie fühlte sich so leicht wie das Licht und zugleich so schwer wie die Erde und spürte, dass beides – Himmel und Erde – als eine große Wirklichkeit zusammengehören.
von Ulrich Peters


Diese Geschichte liegt schon seit längerem hier herum und da es ja Frühling ist, passt sie doch wunderbar! (und nicht nur dann.) Und da die Farben im Garten mit aller Pracht erwachen - darunter auch die Tulpen, ist sie mir heute zum Glück (!) wieder eingefallen.

Habt noch einen frühlingshaften Sonntag , Eure Uli

Samstag, 10. Dezember 2011

Eine weihnachtliche Geschichte



Der Engel mit den leeren Händen

Im Himmel lebte ein kleiner Engel, der oft sehr traurig war. Er fühlte sich überflüssig, weil er nichts Besonderes konnte. Er war nicht musikalisch, er konnte nicht malen. Er war auch nicht sportlich und wurde deshalb von den anderen Engeln immer leicht beiseite geschubst oder einfach übersehen.
Nun herrschte schon seit vielen Monaten grosse Aufregung unter den Engeln. Sie hatten von dem Erzengel Gabriel den Auftrag bekommen, sich für die Geburt des Jesuskindes eine Überraschung auszudenken. Alle Engel sollten in dieser Nacht auf die Erde fliegen, um dem neugeborenen Gotteskind ein Geschenk zu bringen. Und so wurde an allen Ecken und Enden musiziert, gemalt, gebacken. Ja, es wurden sogar warme Strümpfe gestrickt. Nur der kleine Engel wusste nicht, was er Jesus mitbringen sollte, so sehr er sich auch den Kopf zerbrach. In dieser hektischen Vorbereitungszeit wurde er besonders viel umhergeschubst und geschoben, weil er allen im Weg stand.
Nun war die Heilige Nacht herangekommen. Und die Engel machten sich bereit, um das Jesuskind willkommen zu heißen. Sie stritten, wer zuerst den Stall betreten dürfe. Jeder meinte, er habe das schönste Geschenk. Der kleine Engel flog ganz still als letzter und dachte verzagt: "Vielleicht sollte ich mich verstecken, weil ich doch kein Geschenk für das Baby habe." Aber die anderen Engel zogen ihn hinter sich her und schliesslich stand auch er im Stall von Bethlehem.
Die Engelschar hatte ihre Geschenke vor die Krippe gelegt. Aber das Jesuskind beachtete sie nicht. Es schaute den kleinen Engel mit den leeren Händen an, der mit Tränen in den Augen beschämt in der Ecke stand. Ohne es zu wollen, erhob er seine Hände und streichelte ganz vorsichtig die Decke, in die Maria das Kind eingehüllt hatte. Das Gotteskind lächelte den kleinen Engel an. Und plötzlich spürte er, wie seine Hände sich füllten. Er fühlte eine tiefe Liebe in sich aufsteigen, die von seinem Herzen in seine Hände floss. Unbewusst hob er die Hände und segnete das Kind in der Krippe.
Nach dieser Nacht fühlte sich der kleine Engel nicht mehr überflüssig. Er hatte erfahren, dass er etwas Wichtiges mit seinen kleinen, ungeschickten Händen tun konnte. Streicheln und segnen.
Wer die Hand Jesu festhält, wird gesegnet.

                                                                                                              aus "Stimme des Glaubens Nr.11"
 
 
Ich wünsche Euch einen gesegneten 3. Advent!
Eure Uli